Traumasensible / traumasensitive Versorgung

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Traumasensible (oder traumasensitive) Versorgung bedeutet, medizinische und psychosoziale Angebote so zu gestalten, dass sie Menschen mit traumatischen Erfahrungen nicht zusätzlich belasten – sondern Sicherheit, Kontrolle und Selbstbestimmung fördern. Das Konzept kommt aus der Trauma- und Psychiatrieforschung und wird zunehmend auf verschiedene Versorgungsbereiche übertragen.

Queere, trans*, inter* und mehrfach marginalisierte Menschen sind überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen: familiäre Gewalt, sexualisierte Gewalt, Hasskriminalität, medizinische Zwangsmaßnahmen, Konversionsversuche, pathologisierende Begutachtungen. Auch strukturelle Gewalt – etwa wiederholte Diskriminierung im Gesundheitssystem – kann traumatisierend wirken.

Traumasensible Versorgung folgt u.a. diesen Prinzipien:

  • Sicherheit
    Räumlich (Baustellen, Türen, Wartezonen), emotional (kein Bloßstellen, respektvoller Umgang), sprachlich (keine abwertenden Äußerungen).
  • Transparenz
    Vorgehen erklären, bevor etwas passiert: „Ich werde jetzt … machen. Ist das für Sie in Ordnung?“; Informationen zu Abläufen, Rechten, Beschwerdewegen.
  • Wahlmöglichkeiten & Kontrolle
    Patient*innen entscheiden mit: Wer darf dabei sein? Wo sitze/liege ich? Muss die Untersuchung heute sein? Gibt es Pausen?
  • Zusammenarbeit
    Weg von hierarchischem „Wir wissen es besser“ hin zu Kooperation: Ziele gemeinsam bestimmen, Erfahrungen ernst nehmen.
  • Empowerment
    Ressourcen und Stärken hervorheben, nicht nur Defizite; Handlungsspielräume sichtbar machen.

Queer-affirmative, traumasensible Versorgung verbindet diese Prinzipien mit strukturellem Bewusstsein:

  • Geschlecht, Sexualität, Rassismus, Klassismus und Ableismus werden mitgedacht.
  • Diskriminierung in der Versorgung wird als reale Belastung anerkannt – nicht als „Einstellungssache“.

Für Queermed-Kontexte heißt das z.B.:

  • klar kommunizieren, dass Übergriffe und Diskriminierung in der Einrichtung nicht toleriert werden.
  • intime Untersuchungen nur so umfangreich wie nötig durchführen, gut erklären und abbrechen, wenn Patient*innen das wünschen.
  • nicht voraussetzen, dass Menschen „funktionieren“, sondern fragen, was sie brauchen, um sich sicher zu fühlen.

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