Stigma / Stigmatisierung

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Stigma beschreibt gesellschaftliche Zuschreibungen, die Menschen als „abweichend“, „gefährlich“, „unmoralisch“ oder „weniger wert“ markieren. Stigmatisierung ist ein Prozess, der soziale Ausschlüsse, Diskriminierung und strukturelle Benachteiligung erzeugt — und der maßgeblich Gesundheit beeinflusst.

Historisch wurden queere Identitäten stark stigmatisiert:

  • Homosexualität galt als „Sünde“, „Krankheit“ oder „Gefahr“.
  • trans* Personen wurden kriminalisiert oder psychiatriert.
  • HIV/Aids wurde mit Schuldnarrativen verknüpft („Die Schwulenseuche“).
  • inter* Körper wurden als „Fehlbildung“ oder „medizinisches Problem“ definiert.

Stigma wirkt auf drei Ebenen:

1. Soziales Stigma
Abwertung, Ausschluss, Gewalt — z. B. Queerfeindlichkeit in Schule, Familie, Arbeit, Öffentlichkeit.

2. Strukturelles Stigma
Gesetze, Systeme und Institutionen reproduzieren Ungleichheit — z. B. fehlende Rechte, Zugangsbarrieren, unzureichende medizinische Versorgung.

3. Internalisiertes Stigma
Menschen übernehmen negative Zuschreibungen und richten sie gegen sich selbst — z. B. Scham, Selbstablehnung.

Die gesundheitlichen Folgen sind gut belegt: höheres Risiko für Depressionen, Angststörungen, Substanzgebrauch, Schlafstörungen und Suizidalität. Nicht, weil queere Identität „problematisch“ wäre — sondern weil Stigma belastet.

Im Gesundheitswesen führt Stigmatisierung zu:

  • Fehldiagnosen („Das kommt sicher von Ihrer Sexualität.“)
  • abwertenden Kommentaren
  • vorschnellen Zuschreibungen
  • Vermeidungsverhalten („Ich gehe nicht mehr zum Arzt.“)
  • schlechterer Behandlung

Eine entstigmatisierende Versorgung ist zentral: respektvoll, informierend, diskriminierungskritisch und affirmativ.

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