Mit „Sex“ oder „biologischem Geschlecht“ werden meist körperliche Merkmale zusammengefasst: Chromosomen, Hormone, Gonaden, innere und äußere Genitalien. Häufig wird so getan, als gäbe es zwei klare Schubladen – „männlich“ und „weiblich“ – in die sich alle Körper eindeutig einordnen lassen. Tatsächlich ist körperliche Geschlechtlichkeit vielfältiger: Intergeschlechtlichkeit zeigt, dass die Natur nicht strikt binär ist.
Der Begriff „biologisches Geschlecht“ ist umstritten, weil er so klingt, als wäre das eine klare, objektive Tatsache – im Gegensatz zu der angeblich „nur subjektiven“ Geschlechtsidentität. Queerfeministische und inter* Perspektiven betonen:
- Auch medizinische Kategorien sind von Normen, Machtverhältnissen und historischen Entwicklungen geprägt.
- Welche Merkmale als entscheidend gelten (z.B. Chromosomen vs. Genitalien), ist eine gesellschaftliche Entscheidung, keine naturgegebene Wahrheit.
In vielen Kontexten ist es sinnvoll, präziser zu sprechen:
- statt „biologisches Geschlecht“ z.B. „Körpermerkmale, die für diese Behandlung relevant sind“
- statt „Frauenkörper“: „Menschen mit Gebärmutter“, wenn es um gynäkologische Themen geht.
So lassen sich Menschen einbeziehen, die von der jeweiligen Behandlung betroffen sind (z.B. trans* Männer, nicht-binäre und inter* Personen), ohne ihre Identität zu übergehen.
Im Alltag wird „biologisches Geschlecht“ oft genutzt, um trans* und inter* Personen zu delegitimieren („aber biologisch bist du…“). Das ist verletzend und blendet aus, dass Körper, Identität und Gesellschaft zusammenspielen. Eine respektvolle Haltung erkennt an, dass Menschen selbst am besten wissen, welches Geschlecht sie haben – und dass Medizin dazu da ist, sie zu unterstützen, nicht zu kontrollieren.
Für die Gesundheitsversorgung heißt das:
- Klar benennen, welche körperlichen Informationen für Diagnostik und Behandlung tatsächlich nötig sind.
- Formulare und digitale Systeme so gestalten, dass Geschlechtsidentität und relevante Körpermerkmale getrennt erhoben werden können.
- Inter* und trans* Perspektiven in Leitlinien einbeziehen, statt von „Standardkörpern“ auszugehen.
Weiterlesen:
- UN Women: Feministisches Glossar – Einträge zu „Gender“ und „Inter*“
- Boell-Stiftung: Lexikon – Einträge zu Inter* und Intersektionalität