Rassismus ist ein System aus Ungleichbehandlung, Gewalt und Abwertung, das Menschen aufgrund zugeschriebener Herkunft, Hautfarbe, Religion oder „Kultur“ benachteiligt. Im queerfeministischen Kontext geht es besonders darum, wie Rassismus und Queerfeindlichkeit sich verschränken – etwa bei queeren Personen of Color, Schwarzen queeren Menschen, Rom*nja & Sint*izze, Jüdinnen*Juden oder Muslim*innen.
Rassismus wirkt auf verschiedenen Ebenen:
- strukturell (Gesetze, Polizei, Bildung, Medizin)
- institutionell (z.B. Kliniken, Praxen)
- interpersonal (Beleidigungen, Ausschlüsse)
- internalisiert (Selbstabwertung aufgrund rassistischer Bilder).
Queerfeministische Analysen zeigen: Viele queere Räume sind mehrheitsweiß, akademisch geprägt, eurozentristisch. Rassifizierte queere Menschen berichten u.a. von:
- Exotisierung („Ich stehe auf Schwarze Männer“, „Orientalische Schönheiten“)
- Fetischisierung in Dating-Apps
- Ausschluss in Szenebars, Partys, Vereinen
- mangelnder Repräsentation in Medien und Aktivismus
Im Gesundheitswesen begegnen rassifizierte queere Menschen wiederum:
- rassistischen Zuschreibungen („Die sind doch alle homophob“, „Migrationshintergrund = Risiko“)
- Sprachbarrieren ohne Dolmetsch-Angebote
- Stereotypen (z.B. über Schwarze Körper, muslimische Frauen)
- Forschung, die primär weiße cis Personen untersucht.
Ein queerfeministischer, intersektionaler Ansatz erkennt:
- Rassismus ist kein „Nebenthema“, sondern zentral.
- Antirassistische Arbeit gehört zwingend zu queersensibler Arbeit.
Konkret heißt das z.B.: rassismusreflektierte Fortbildungen, Diversität im Team, Kooperation mit migrantisierten Selbstorganisationen und das Bewusstsein, dass manche Patient*innen besondere Angst vor Institutionen (Polizei, Behörden, Kliniken) haben – oft aus berechtigter Erfahrung.
Weiterlesen:
- UN Women – Feministisches Glossar (Rassismus & Intersektionalität)
- Divoke Glossar – Intersektionale Perspektiven auf Rassismus & Queerfeindlichkeit