Klassismus

« Zurück zum Glossar

Klassismus bezeichnet die Abwertung und Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihres Bildungsstatus, Einkommens oder ihrer sozialen Position. Betroffen sind etwa arme, erwerbslose, working-class oder „bildungsferne“ Menschen.

Klassismus äußert sich u.a. durch:

  • Vorurteile („selbst schuld an der Armut“, „asozial“)
  • Geringschätzung von Dialekten, Kleidung, Wohngegenden
  • Ausschlüsse durch hohe Teilnahmegebühren, unbezahlte Praktika, Paywalls
  • Institutionen, die auf akademische Mittelschichten zugeschnitten sind.

Im queerfeministischen Kontext wird Klassismus lange unterbelichtet – viele queere Räume sind stark akademisiert, städtisch, weiß-mittelständisch. Queere Menschen aus Arbeiter*innenfamilien oder in Armut erleben Mehrfachbelastungen: weniger Zugang zu sicheren queeren Räumen, höheres Risiko von Wohnungslosigkeit, finanzielle Hürden bei Transition, Psychotherapie oder reproduktiver Medizin.

Im Gesundheitswesen wirkt Klassismus z.B. über:

  • komplizierte Bürokratie (Anträge, Widersprüche, Versicherungsmodelle)
  • abwertende Behandlung von Patient*innen, die „nicht richtig sprechen“, „nicht pünktlich erscheinen“
  • unterschiedliche Behandlung je nach Versicherungsstatus oder „Bildung“.

Queerfeministisch zu arbeiten heißt hier:

  • Armut und Prekarität als strukturelles Problem zu sehen, nicht als individuelles Versagen
  • Angebote niedrigschwellig zu gestalten (kostenfrei, anonym, mit einfachen Texten)
  • queere Beratungs- und Gesundheitsstrukturen bewusst für Menschen mit wenig Geld zu öffnen.

Weiterlesen:

« Zurück zum Glossar