Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist eine medikamentöse Vorsorgemaßnahme für HIV-negative Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. Sie nehmen ein HIV-Medikament vorbeugend ein, sodass sich HIV bei einem Kontakt gar nicht erst im Körper festsetzen kann. In Deutschland wird in der Regel eine Kombination aus Tenofovir/Emtricitabin (TDF/FTC) verwendet.
Die deutsch-österreichische Leitlinie zur HIV-PrEP (2024 aktualisiert) empfiehlt PrEP insbesondere für:
- Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und ein erhöhtes Risiko haben
- trans* und nicht-binäre Personen mit vergleichbarem Risiko
- andere Personengruppen mit deutlich erhöhtem HIV-Risiko (z.B. bestimmte Konstellationen im Sexarbeits-Kontext oder bei serodiskordanten Partnerschaften ohne ausreichende andere Schutzmaßnahmen).
Die PrEP kann:
- täglich eingenommen werden (kontinuierliche PrEP) oder
- in bestimmten Fällen anlassbezogen („on demand“) bei MSM. Für Menschen mit chronischer Hepatitis B wird eine anlassbezogene Einnahme nicht empfohlen.
Wichtig: PrEP schützt sehr zuverlässig vor HIV, aber nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Deshalb betonen Leitlinien, dass PrEP immer mit:
- Beratung zu Safer-Sex-Strategien
- regelmäßigen HIV-Tests
- STI-Screenings
- ggf. Hepatitis-Impfungen
kombiniert werden sollte.
Für die Praxisorganisation heißt das:
- klare Abläufe für PrEP-Beratung, Laborkontrollen und Rezepte
- Sensibilität gegenüber queeren Communitys (MSM, trans*, nicht-binäre Personen)
- keine moralischen Bewertungen von Sexualverhalten, sondern risikoorientierte, ressourcenstärkende Beratung.
Für viele queere Menschen ist PrEP mehr als nur ein Medikament: Sie kann Angst vor HIV reduzieren, Sexualität selbstbestimmter machen und die Möglichkeit eröffnen, Safer-Sex-Strategien individuell anzupassen.
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