Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden — um Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen. Sie ist eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten, Erfahrung und Selbstwirksamkeit. Health Literacy ist keine individuelle „Intelligenzfrage“, sondern stark durch Bildung, Sprache, Zugänge, Barrieren und Diskriminierung geprägt.
LSBTIQ* Menschen haben oft spezifische Hürden:
- fehlende Informationen (z. B. zu STI-Risiken für lesbische/bi Frauen, zu reproduktiver Gesundheit für trans* Männer)
- unsichtbare Gesundheitsrealitäten
- falsche oder veraltete Informationen in Praxen
- Unsicherheit wegen Diskriminierung
- traumatisierende Erfahrungen in Institutionen
- mangelnde Repräsentation in Gesundheitsmaterialien
Gesundheitskompetenz entsteht nicht nur individuell — sie wird ermöglicht oder verhindert durch das Gesundheitswesen. Eine Praxis kann Health Literacy fördern durch:
- verständliche, diskriminierungssensible Informationsmaterialien
- nicht-pathologisierende Sprache
- klare Abläufe
- Wahlmöglichkeiten
- Raum für Fragen
- Anerkennung queerer Realitäten
- barrierearme Kommunikation
- Community-Kooperationen
Je sicherer sich Menschen fühlen, desto besser können sie Gesundheitsentscheidungen treffen.
Weiterlesen:
- IQWiG: Grundlagen zur Gesundheitskompetenz
- WHO: Health Literacy Framework
- Aidshilfen: Materialien zu Health Literacy in MSM- und trans* Communities