Geschlechtsidentität

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Geschlechtsidentität beschreibt das tief empfundene innere Gefühl einer Person, zu einem, keinem oder mehreren Geschlechtern zu gehören. Sie kann z.B. weiblich, männlich, nicht-binär, genderqueer, agender oder etwas ganz anderes sein. Entscheidend ist, wie eine Person sich selbst versteht – nicht, wie andere sie einordnen.

Geschlechtsidentität ist nicht das Gleiche wie körperliche Merkmale (Genitalien, Chromosomen, Hormone) und auch nicht identisch mit sexueller Orientierung. Eine Person kann z.B. eine Frau sein (Geschlechtsidentität) und sich zu Frauen, Männern, mehreren oder keinen Geschlechtern hingezogen fühlen (sexuelle Orientierung).

Viele cisgeschlechtliche Menschen denken wenig über ihre Geschlechtsidentität nach, weil sie mit gesellschaftlichen Erwartungen übereinstimmt. trans*, nicht-binäre und inter* Personen setzen sich dagegen oft sehr intensiv damit auseinander – auch, weil ihre Identität von außen angezweifelt wird.

Queerfeministische Perspektiven verstehen Geschlechtsidentität als etwas, das in einem Spannungsfeld von innerem Erleben, gesellschaftlichen Normen und Machtverhältnissen entsteht. Normen definieren, welche Geschlechter als „real“ gelten, wie sie aussehen, sprechen und sich verhalten sollen. Wer diesen Normen nicht entspricht, erfährt häufig Misgendering, Diskriminierung oder Gewalt.

Im rechtlichen und medizinischen Kontext wurde Geschlechtsidentität lange ignoriert oder pathologisiert. Statt das innere Wissen einer Person ernst zu nehmen, wurden starre Kriterien und Gutachten angelegt, die bestimmen sollten, ob jemand „wirklich“ trans* ist. Neuere Konzepte der geschlechtlichen Selbstbestimmung betonen:

  • Menschen wissen selbst am besten, welches Geschlecht sie haben.
  • Staat und Medizin sollen dies anerkennen, statt es zu prüfen oder zu bewerten.

Für die Gesundheitsversorgung bedeutet das:

  • Anamneseformulare sollten nach Geschlechtsidentität und ggf. nach Körpermerkmalen fragen, nicht einfach „Geschlecht: m/w“.
  • Fachkräfte sollten wissen, dass die äußerliche Erscheinung (z.B. Brust, Bartwuchs) nichts Verlässliches über Geschlechtsidentität aussagt.
  • Geschlecht sollte nicht als „Risiko“ oder „Störung“ behandelt, sondern als relevante, aber wertneutrale Information gesehen werden.

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