„Cis“ oder „cisgeschlechtlich“ bezeichnet Menschen, deren bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht mit ihrer Geschlechtsidentität übereinstimmt. Wenn eine Person bei der Geburt als „weiblich“ eingetragen wurde und sich ihr Leben lang als Frau versteht, ist sie cis. Entsprechend gilt: Menschen, die nicht cis sind, sind z.B. trans* oder nicht-binär.
Der Begriff „cis“ kommt aus dem Lateinischen („diesseits von“) und ist eine Gegenposition zu „trans“ („jenseits von“). Wichtig ist: „cis“ ist keine Beleidigung, sondern eine beschreibende Kategorie – so wie „hetero“ oder „links-händig“. Dass der Begriff sich für manche ungewohnt anfühlt, hängt oft damit zusammen, dass cis-Sein lange als unsichtbare Norm galt, die gar keinen Namen hatte.
Indem „cis“ benannt wird, wird deutlich:
- Cis-Sein ist eine mögliche Position in einem Machtverhältnis, nicht der neutrale Ausgangspunkt.
- trans*, inter* und nicht-binäre Personen sind nicht „abweichend“, sondern einfach anders positioniert.
Im queerfeministischen Kontext geht es bei „cis“ nicht um individuelle Schuld, sondern um Strukturen. Cisgeschlechtliche Menschen erfahren im Durchschnitt weniger Hürden in Behörden, Medizin, Schule oder am Arbeitsplatz. Ihre Geschlechtsidentität wird meist nicht in Frage gestellt, sie können mit ihren Ausweisdokumenten reisen, bekommen standardisierte medizinische Versorgung und werden selten gezwungen, intime Details zu erklären.
Cisprivilegien zu benennen, hilft, Diskriminierung von trans* und nicht-binären Menschen sichtbar zu machen und Verantwortung zu übernehmen – etwa indem cis Personen:
- Namen und Pronomen respektieren
- auf transfeindliche Witze und Kommentare reagieren
- sich gegen gesetzliche Einschränkungen geschlechtlicher Selbstbestimmung stellen.
Gerade im Gesundheitswesen ist es wichtig, cisnormative Annahmen zu hinterfragen – also die Idee, alle Patient*innen seien cis. Zum Beispiel, wenn Fragebögen nur „männlich“ und „weiblich“ anbieten, wenn Ärzt*innen trans* Identitäten pathologisieren oder davon ausgehen, dass eine bestimmte Anatomie automatisch ein bestimmtes Geschlecht bedeutet.
Weiterlesen:
- Amadeu Antonio Stiftung: Glossar – „cisdyadisch“
- BPB: LSBITQ-Lexikon – Einträge zu Geschlecht, cis und trans