Cis-Sexismus beschreibt die strukturelle Bevorzugung von cisgeschlechtlichen Menschen und die gleichzeitige Abwertung, Unsichtbarmachung oder Pathologisierung von trans* und nicht-binären Personen. Der Begriff kombiniert „Cis“ und „Sexismus“ und verweist darauf, dass geschlechtliche Diskriminierung nicht nur Frauen betrifft, sondern besonders Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Cis-Sexismus umfasst Vorurteile, soziale Normen, staatliche Regelungen, medizinische Standards und individuelle Einstellungen, die cisgeschlechtliche Menschen als selbstverständlich „richtig“ positionieren. trans* und nicht-binäre Personen werden in diesen Systemen oft als „abweichend“, „problematisch“, „unverständlich“ oder „nicht echt“ dargestellt.
Typische Formen von Cis-Sexismus sind:
- Infragestellen von Identität: Aussagen wie „Du wirst immer eigentlich… bleiben“ oder „Das ist doch nur eine Phase“.
- Medizinische Gatekeeping-Praxen: trans* Menschen müssen Gutachten, Diagnosen oder stereotype Geschlechtsrollenperformances erbringen, um medizinische Versorgung zu erhalten.
- Unsichtbarkeit in Datenerhebungen & Formularen: Nur „männlich / weiblich“, keine Option für nicht-binäre Identitäten.
- Rechtliche Hürden: komplizierte Verfahren zur Personenstandsänderung, langwierige Krankenkassenprozesse.
- Alltagsdiskriminierungen: Misgendering, Deadnaming, Toilettenregeln, Transfeindlichkeit im Sport oder in der Schule.
Cis-Sexismus ist mit anderen Diskriminierungsformen verflochten. trans* Personen, die zugleich rassifiziert, behindert, arm, jüdisch, muslimisch oder migrantisiert sind, erleben oft zusätzliche Barrieren.
Im Gesundheitswesen wirkt Cis-Sexismus besonders stark: trans* Personen berichten von Ärztinnen, die ihnen die Identität absprechen, Fragen stellen, die nichts mit der Behandlung zu tun haben („Warum willst du das überhaupt?“), oder notwendige medizinische Schritte verweigern. Der Mangel an trans-sensibler Ausbildung führt dazu, dass viele trans* Menschen medizinische Hilfe vermeiden.
Ein cis-sexismuskritischer Ansatz bedeutet:
- Geschlechtsidentitäten nicht hinterfragen, sondern respektieren
- Barrieren in Formularen, Diagnostik und Versorgung abbauen
- trans* und nicht-binäre Perspektiven aktiv einbeziehen
- Selbstbestimmung über Diagnosen oder Gatekeeping stellen
Weiterlesen:
- Queer Lexikon – Glossar
- DGfPI – Trans* Gesundheit
- Amnesty International – Menschenrechte von trans Personen