Care-Arbeit bezeichnet alle Tätigkeiten, die der Sorge für andere Menschen dienen. Dazu gehören emotionale Unterstützung, Pflege, Erziehung, Haushaltsarbeit, Begleitung zu Ärzt*innen, aber auch organisatorische Aufgaben wie Terminmanagement oder Behördenkontakte. Care-Arbeit ist grundlegend für Gesundheit und gesellschaftliches Funktionieren – wird jedoch häufig unsichtbar gemacht, geringgeschätzt oder unbezahlt geleistet.
Traditionell wird Care-Arbeit Frauen zugeschrieben, was sie eng mit Geschlechterungleichheit verbindet. Für queere Menschen spielt Care-Arbeit eine besondere Rolle, da sie häufig außerhalb klassischer Familienstrukturen organisiert ist. Freund*innen, Wahlfamilien und Community-Netzwerke übernehmen Aufgaben, die sonst institutionell oder familiär abgefedert würden.
Queere Care-Arbeit zeigt sich z.B.:
- bei der Begleitung zu diskriminierungssensiblen Ärzt*innen
- bei gegenseitiger Unterstützung nach Coming-outs
- in der Pflege chronisch kranker Freund*innen
- in emotionaler Arbeit innerhalb queerer Communities
Diese Formen von Care-Arbeit werden gesellschaftlich oft nicht anerkannt – weder rechtlich noch finanziell. Gleichzeitig erleben queere Menschen selbst häufiger gesundheitliche Belastungen, was die Care-Arbeit zusätzlich erschwert.
Im Gesundheitswesen wird Care-Arbeit oft vorausgesetzt, aber kaum berücksichtigt. Begleitpersonen aus Wahlfamilien werden nicht ernst genommen, Entscheidungsbefugnisse abgesprochen oder Informationen verweigert. Besonders problematisch ist das bei trans*, inter* oder chronisch kranken Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Eine care-sensible Versorgung bedeutet:
- Begleitpersonen unabhängig von Verwandtschaft anzuerkennen
- emotionale Arbeit mitzudenken
- Pflege- und Sorgearbeit nicht als selbstverständlich zu betrachten
- strukturelle Entlastung zu schaffen
Care-Arbeit ist keine private Angelegenheit – sie ist eine gesundheitspolitische Frage.
Quellen:
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