Androzentrismus beschreibt die Ausrichtung gesellschaftlicher Normen, Wissenssysteme und Strukturen auf Männer als vermeintlichen Standard. In der Medizin bedeutet das: Der männliche, cisgeschlechtliche Körper gilt historisch als „Norm“, von der andere Körper – weibliche, inter*, trans* oder behinderte – als Abweichung betrachtet werden.
Diese Perspektive hat massive Auswirkungen auf Diagnostik, Therapie und Forschung. Viele medizinische Studien wurden jahrzehntelang überwiegend an Männern durchgeführt. Symptome, Krankheitsverläufe und Medikamentendosierungen orientieren sich daher oft an männlichen Körpern.
Beispiele für androzentrische Medizin:
- Herzinfarktsymptome bei Frauen werden häufiger übersehen
- Medikamente wirken bei anderen Körpern anders, werden aber gleich dosiert
- Schmerzen von Frauen oder queeren Personen werden häufiger psychologisiert
- trans* und inter* Körper kommen in Leitlinien kaum vor
Androzentrismus wirkt nicht isoliert, sondern überschneidet sich mit Sexismus, Cisnormativität und Heteronormativität. Für queere Menschen bedeutet das oft: Ihre Körper und Erfahrungen sind im medizinischen System nicht vorgesehen.
Eine androzentrismuskritische Medizin:
- berücksichtigt unterschiedliche Körper, Hormonsituationen und Lebensrealitäten
- hinterfragt Forschungslücken
- integriert geschlechtersensible und diversitätssensible Perspektiven
- erkennt, dass „Neutralität“ oft männliche Norm bedeutet
Für Queermed ist Androzentrismus zentral, um zu erklären, warum medizinische Ungleichheit kein individuelles Versagen ist, sondern strukturell entsteht.
Quellen:
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