Adultismus beschreibt die strukturelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene. Er äußert sich darin, dass junge Menschen als weniger kompetent, irrational oder „noch nicht so weit“ betrachtet werden – unabhängig von ihrer tatsächlichen Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
Adultismus ist tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert: Erwachsene entscheiden über Körper, Alltag und Zukunft junger Menschen – oft ohne sie einzubeziehen. Im Gesundheitswesen zeigt sich Adultismus besonders deutlich.
Beispiele:
- Symptome werden nicht ernst genommen („Das ist nur eine Phase“).
- Jugendliche werden über Behandlungen nicht aufgeklärt.
- Gespräche finden über den Kopf der betroffenen Person hinweg mit Eltern statt.
- queere oder trans* Identitäten werden als „Verwirrung“ abgetan.
Für queere, trans* und nicht-binäre Jugendliche ist Adultismus besonders problematisch. Sie erleben häufig ein doppeltes Machtgefälle: aufgrund ihres Alters und ihrer Identität. Entscheidungen über medizinische Versorgung, psychische Unterstützung oder geschlechtsaffirmierende Maßnahmen werden oft verzögert oder verweigert – nicht aus medizinischen Gründen, sondern aus normativen Annahmen.
Adultismuskritische Versorgung heißt:
- junge Menschen als Expert*innen ihres eigenen Erlebens anzuerkennen,
- altersangemessene, verständliche Informationen bereitzustellen,
- Beteiligung ernst zu nehmen, statt sie als Formalität zu behandeln,
- Schutz nicht mit Kontrolle zu verwechseln.
Eine queer- und traumasensible Praxis erkennt: Autonomie entwickelt sich nicht durch Entmündigung, sondern durch Vertrauen, Information und Beteiligung.
Quellen:
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