Ableismus (von engl. „able“ = fähig) bezeichnet die Abwertung und Diskriminierung von Menschen, die als behindert oder krank gelten. Ableismus reduziert Menschen auf (vermeintliche) körperliche, psychische oder kognitive Einschränkungen und setzt eine Norm von „fit“, „leistungsfähig“ und „gesund“.
Ableismus zeigt sich u.a. durch:
- bauliche Barrieren (Treppen ohne Aufzüge, enge Türen, keine Leitsysteme)
- institutionelle Barrieren (komplizierte Anträge, Ausschlüsse vom Arbeitsmarkt)
- medizinische Praxis, die behinderte Menschen nicht ernst nimmt
- Sprache („an den Rollstuhl gefesselt“, „leidet an…“)
- Mitleid statt Rechte, oder Heroisierung („trotz Behinderung so tapfer“).
Queerfeministische Perspektiven betonen, dass Ableismus eng mit anderen Machtverhältnissen verflochten ist: Rassismus, Klassismus, Queerfeindlichkeit, Fatfeindlichkeit. Behinderte queere Menschen erleben Mehrfachdiskriminierung – in queeren Räumen, die nicht barrierefrei sind, und in Behindertenstrukturen, die heteronormativ sind.
Im Gesundheitswesen ist Ableismus ein Kernproblem, obwohl es dort um Versorgung gehen sollte:
- Ärzt*innen hören behinderten Menschen nicht zu oder schreiben Beschwerden pauschal der Behinderung zu („Das kommt von Ihrer Diagnose“).
- Menschen mit Lernschwierigkeiten erhalten keine verständlichen Informationen.
- psychisch erkrankte Menschen werden nicht ernst genommen oder nur auf ihre Diagnose reduziert.
Eine ableismuskritische Praxis stellt die Frage:
- Wer gilt als „normale*r Patient*in“?
- Wer wird als „kompliziert“, „anstrengend“, „nicht compliant“ markiert?
Ziel ist eine Medizin, die behinderte Menschen nicht „reparieren“ will, sondern ihre Rechte, Wünsche und Expertise so wahrnimmt, dass sich daraus kein Machtgefälle und keine Definitio von Norm oder Abnorm ableiten lassen.
Weiterlesen:
- Awareness-Glossar FAU – Eintrag „Ableismus“
- University of Bonn Diversity-Glossar – Ableismus
- Queerulant_in Glossar – Ableismus