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Empathie: Die Brücke zu einem einfühlsamen Ärzt*innen-Patient*innen-Verhältnis

Inhaltsverzeichnis
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Gibt man das Wort “Empathie” in eine Suchmaschine ein, taucht mit höchster Wahrscheinlichkeit diese Definition auf: 

"Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Ein damit korrespondierender allgemeinsprachlicher Begriff ist Einfühlungsvermögen."

Empathie gehört zu den grundlegendsten Eigenschaften bei uns Menschen. Empathisch zu sein heißt, dass wir in der Lage dazu sind, Gefühle, Gedanken und Erfahrungen nachempfinden zu können. Bereits ab dem Kindesalter erlernen wir was es heißt, empathisch zu sein. Und über die darauf folgenden Jahre lernen wir, besser zu erkennen, was emotional oder gedanklich bei unseren Gegenübern stattfindet.
Insbesondere im Gesundheitswesen spielt Empathie eine essenzielle Rolle. Durch Empathie ist es Ärzt*innen möglich, nicht nur die körperlichen Krankheitsbilder und Symptome zu erkennen, sondern darüber hinaus auch die individuellen Bedürfnisse, Ängste und Sorgen von Patient*innen zu erkennen. Sich in andere hineinversetzen zu können sollte eines der Skills von Ärzt*innen & Therapeut*innen sein, neben der beruflichen Ausbildung.

Das Ärzt*innen-Patient*innen-Verhältnis

Das Ärzt*innen-Patient*innen-Verhältnis ist von großer Bedeutung für das Wohlergehen von Patient*innen. Mithilfe von Empathie wird eine Verbindung geschaffen, die es den Ärzt*innen ermöglicht, auf einer emotionalen Ebene mit ihren Patient*innen zu kommunizieren und Vertrauen aufzubauen. Vertrauen ist wichtig, vor allem wenn notwendige Entscheidungen über die nächsten Behandlungsschritte getroffen werden müssen. Patient*innen fühlen sich gehört, verstanden und respektiert, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Ärzt*innen sich für ihr Wohlbefinden interessieren und ihre Bedürfnisse ernst nehmen.

Patient*innen müssen nicht nur kompetent behandelt werden, sondern auch empathisch. Der Aspekt der Beziehung zwischen Patient*in und Fachpersonal ist bisher hauptsächlich im psychotherapeutischen Setting ein anerkannter Bestandteil für den Erfolg von Therapien. Gerade im therapeutischen Setting, wo sich Therapeut*in und Patient*in teilweise über Jahre wöchentlich sehen und unterschiedlich belastende Erlebnisse bearbeiten, muss eine funktionierende Beziehung zwischen beiden existieren. Die*der Patient*in muss sich einer bis dato fremden Person außerhalb ihrer alltäglichen Bubble anvertrauen können und zum Teil viele traumatische Erlebnisse in einem sicheren Setting wieder erleben. Im Gegenzug muss die*der Therapeut*in eine Beziehung aufbauen können um sich empathisch in die Lage der*des Patient*in hineinversetzen zu können.

Aber auch beim Praxisbesuchen in anderen Fachbereichen müssen Patient*innen sich wohl fühlen können. Fehlt das Vertrauen in das Fachpersonal, kann es eine Wahrscheinlichkeit geben, dass ärzt*liche Ratschläge und Anweisungen eher nicht befolgt werden. Oder auch bei sehr körpernahen Behandlungen wie beispielsweise gynäkologische Untersuchungen oder sehr angstbehaftete zahnmedizinische Behandlungen brauchen manche Patient*innen ein großes Vertrauen gegenüber dem Fachpersonal. Vor allem, wenn das Fachpersonal ein zum Teil noch vorurteilsbehaftetes und veraltetes Wissen an den Tag legen. Auch da kann Empathie dazu beitragen, Diskriminierungserfahrungen für Patient*innen im Gesundheitswesen zu verringern. Vor allem LGBTQ+ Personen, Menschen mit Behinderungen, mehrgewichtige Menschen und andere marginalisierte Gruppen sind oft mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert. Minority Stress, der durch Diskriminierungserfahrungen entsteht, kann dazu führen, dass diese Patient*innen seltener zu Praxen und Kliniken gehen, um Diskriminierung zu vermeiden.

Hier kommt die Bedeutung von empathischen Ärzt*innen ins Spiel. Eine empathische Haltung trägt dazu bei, dass Patient*innen Vertrauen fassen und ihre Bedenken offen teilen können. Durch die Anerkennung und Berücksichtigung der spezifischen Belange von marginalisierten Gruppen können Ärzt*innen dazu beitragen, dass sich Patient*innen besser verstanden und akzeptiert fühlen.

Es ist wichtig anzumerken, dass Empathie nicht nur von den Ärzt*innen erwartet wird, sondern auch eine wechselseitige Beziehung erfordert. Patient*innen sollten ebenfalls offen sein und ihre eigenen Bedürfnisse und Erfahrungen mitteilen, um eine effektive Kommunikation und ein Verständnis auf beiden Seiten zu ermöglichen.

Für einen empathischeren Umgang mit Patient*innen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Empathie im Verhältnis zwischen Ärzt*innen und Patient*innen von entscheidender Bedeutung ist. Durch eine empathischere Beziehung zwischen Ärzt*innen und Patient*innen kann Vertrauen aufgebaut werden, was sich positiv auf den Krankheitsverlauf und die Genesung auswirken kann. 

Empathie ist eine Eigenschaft, die das Gesundheitswesen menschlicher macht und dazu beiträgt, die Bedürfnisse der Patient*innen besser zu verstehen. Wenn Ärzt*innen Empathie zeigen und sich für die individuellen Erfahrungen ihrer Patient*innen öffnen, können sie eine unterstützende und inklusive Umgebung schaffen, in der jeder Mensch die bestmögliche medizinische Versorgung erhält, unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu marginalisierten Gruppen.

Indem wir Empathie in den Mittelpunkt der medizinischen Betreuung stellen, können wir eine positive Veränderung im Gesundheitswesen bewirken und sicherstellen, dass Patient*innen nicht nur körperlich, sondern auch emotional behandelt werden. Es ist an der Zeit, Empathie als eine grundlegende Säule der ärztlichen Tätigkeit anzuerkennen und zu fördern, um eine bessere und gerechtere Gesundheitsversorgung für alle zu gewährleisten